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Siquijor ist laut vieler Philippinos verflucht. Auf der Insel gibt es Hexen und Heiler, von Geistern heimgesuchte Berge und verwunschene Bäume. Westler und der Reiseführer lachen darüber aber nur und deshalb fahren wir für 4 Tage von Dumaguete aus rüber und – spannen aus. Weil wir nicht rechtzeitig ein richtiges Resort gebucht haben, schlafen wir die erste Nacht wiedermal in einer winzigen original philippinischen Nippahütte mit der wahrscheinlich schrecklichsten Toilette unserer bisherigen Reise nebenan. Nachts schüttet es zwar aus Eimern, trotzdem bleibt es selbst mit Ventilator unerträglich heiß. Am nächsten Tag gehts mit dem Tricycle zum ‚the Bruce Resort‘ in San Juan. Wir ziehen in unsere erste Hütte mit Meerblick direkt am Strand. Natürlich steht diese unter sich im Wind wiegenden Kokospalmen – drunter gehts auf Siquijor auch nicht.

 


Eigentlich hatte ich umfangreiche Pläne mit Bergwanderungen, baden unter Wasserfällen und einer kompletten Inselumrundung geschmiedet, aber die hinreißende Idylle zieht uns direkt in ihren Bann und wir halten uns an den sehr guten Rat eines guten Freundes und – tun nichts. Die nächsten drei Tage vergehen also mit am Strand liegen, mit dem Kajak vor dem Strand schnorcheln gehen, essen, danach in den Pool und abends in der Hängematte am Strand unter sich im Wind wiegenden Palmen liegen und Cola-Rum trinken. Es gibt ein paar erste Korallen mit Anemonenfischen, hunderte Seesterne und riesige rot leuchtende Seeigel zu bestaunen. Die Sonnenuntergänge sind jeden Abend spektakulär und am Horizont prangt verheißungsvoll der Vulkanberg des kleinen Apo Island – unserem nächsten Reiseziel.

 


Am dritten Tag werden wir dann doch unruhig vom vielen Ausruhen und auch die von einem Regenschauer etwas versaute Wanderung zum angeblich noch schöneren Paliton Beach ist eher langweilig. Am letzten Tag schwingen wir uns dann also doch auf zur nächsten Herausforderung – und auf zwei Roller um die Insel auf der Küstenstraße zu umrunden. Weder Sara noch ich sind je Roller gefahren und nachdem ich ausgiebig mit den Philippinos über Saras anfänglichen Nervenzusammenbruch gelacht habe, gehts mit zunächst nervenflatternden 20 Stundenkilometern auf die Straße zum 400 Jahre alten, sagenumwobenen Balete Tree.

 


Die Philippinen haben ihre eigenen Verkehrsregeln, aber Gottseidank gibt es ziemlich wenig Verkehr. Es gibt, ganz asiatisch, fast keine Autos, dafür umso mehr Tricycles und Motorräder. Davon passen natürlich gleich drei oder vier nebeneinander auf die Straße. Damit es trotzdem keine Unfälle gibt, ist Hupen sozusagen unerlässlich. Du hupst um zu überholen, du hupst um Überholenden zu zeigen, dass du sie gesehen hast, du hupst um die Vorfahrt zu nehmen oder um auf der Gegenspur zu fahren, weil da ja grade Platz ist. Philippinos hupen auch um einfach Hallo zu sagen, oder sie hupen, ganz ohne anderen Verkehr, der Sara entgegen um deutlich zu machen, dass sie grade eine riesige, hübsche Westlerin auf einem Roller gesehen haben. Hupen ist also – im Gegensatz zu Deutschland, reine Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Verkehrssicherheit. Ein Fahrzeug mit kaputter Hupe ist hier also definitiv nicht mehr verkehrssicher!
Tanken geht auch anders (man beachte das Bild der philippinischen Tankstelle), es gibt die Geschmacksrichtungen rot und grün, stilsicher in der 1,5 Liter Coca-Cola Glasflasche serviert. Nach der ersten Stunde funktioniert unsere Inselumrundung auch schon ganz gut. Am Balete Tree lassen wir uns im Wasserbecken vor dem riesigen Baum von „knibbling fishes“ die Füße abknabbern. Dann gehts weiter zu den Cambugahay Wasserfällen, aber wir gehen leider nicht schwimmen um unsere Inselrunde noch vor dem Sonnenuntergang fertig zu kriegen.

 

Es gibt wieder einiges zu sehen auf dem Weg und Siquijor zeigt sich von seiner ursprünglichen und freundlichen Seite: Kinder winken uns wiedermal überall hinterher. Auf der Straße schlafen in der Mittagshitze Hunde und am Straßenrand stolzieren Kampfhähne herum. Es gibt auch mehrere Kampfhahn-Zuchtstationen, in denen die ‚Sporttiere‘ unter akkurat gebauten Bambusdächern auf einem großen Rasen wohnen, der wesentlich liebevoller gepflegt ist als in unserem Resort.
Wir kommen auch wieder an weiten Reisfeldern mit den typischen bunten Fahnen vorbei, die die Vögel wegscheuchen sollen. Die Felder werden mit einer Art Wasserbüffel bestellt, die ziemlich träge dreinschauen und sich scheinbar nie schneller als in Zeitlupe bewegen.
Am letzten Abend auf Siquijor gibts in der Bar gegenüber noch Livemusik und wir gehen hin um mit den Philippinos zu feiern. Die Cover-Band ist tatsächlich ganz gut, aber die Musikauswahl doch ziemlich schmalzig.

Peter.