DSC03527

Unser erster Weg raus aus der Hauptstadt führt uns auf die vor der Costa Verde liegende Insel Ilha Grande.
Diese schöne Insel blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Über lange Zeit (im 16. und 17. Jh.) war sie eine Pirateninsel, die später (im 18. Jh.) zum Hauptumschlagplatz Brasiliens für afrikanische Sklaven avancierte. Diese wurden dort hauptsächlich weiterverkauft und ins Landesinnere gebracht um im Gebiet Minas Gerais rund um Ouro Preto in den zahlreichen Minen Gold zu schürfen. Später brauchte man Sklaven für den Diamantenabbau in den Minen rund um Diamantina. Nach der Zeit des Gold- und Diamantenabbaus wurden Sklaven für die Kaffeeplantagen herangebracht. Ende des 18. Jahrhunderts, nach Abschaffung der Sklaverei, wurde auf der Ilha Grande wegen der starken Zunahme europäischer und asiatischer Zuwanderer nach Südamerika ein Quarantäne-Lazarett eröffnet. Später wurde die Insel zu einer Kolonie für Leprakranke.

 


Nach diesen ganzen Horrorgeschichten kommt aber auch der schöne Teil: Heute ist die Ilha Grande ein beliebter Urlaubsort mit wunderschönen Stränden und zahlreichen Unterkünften um die ganzen sonnenhungrigen Gäste aus Rio und Umgebung aufzunehmen. Ca. 3000ha der Insel sind mit Urwald, dem „Mata Atlantika“, bewachsen, der auf einigen Wanderwegen begehbar ist.

Für vier Tage schiffen wir uns auf Ilha Grande in der Hauptsiedlung Abraão ein um ein wenig Sonne zu tanken und natürlich um die schönen Strände zu sehen, an denen wir knackbraun werden wollen. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Die Sonne zeigt sich nur selten und wir haben auch eine ordentliche Portion Regen. So nutzen wir die Zeit für zwei ausgedehnte Urwald-Wanderungen, Wäschewaschen und für ein wenig Entspannung in der Hängematte. Natürlich gibts auch wieder jeden abend Caipirinhas und brasilianisches Bier.

Die erste Wanderung führt uns zum Wasserfall „Cachoeira Feiticeira“. Unterwegs sind wir ganz froh, dass der Himmel bedeckt und die Temperaturen relativ niedrig sind (ca. 20°C), denn der Weg ist, vor allem wegen der hohen Luftfeuchigkeit im Wald, sehr schweißtreibend. Mit einem Mal hören wir neben den vielen zwitschernden Vögeln auch ganz merkwürdige andere Geräusche – es sind Brüllaffen! Die Rufe schallen durch den ganzen Wald und klingen echt schaurig, sind aber zu weit entfernt, sodass man die Affen selbst nicht zu Gesicht bekommt. Dennoch sind diese ungewöhnlichen Geräusche erstmal ein wenig angsteinflößend. Am Wasserfall angekommen, genießen wir seine erfrischende Ansicht, müssen aber bald umkehren, da es ja so schnell dunkel wird im Winter. Der Rückweg ist dann aber so schnell geschafft, dass wir noch einen Abstecher zu den Ruinen des alten Lazaretts machen.

 


Am nächsten Tag machen wir dann eine längere Wanderung zum schönsten Strand der Insel, dem Lopez Mendes. Der Weg ist doppelt so lang, dafür aber unterbrochen durch zwei andere schöne Strände. Der eine Strand, Palmas, war der Ort, wo die meisten Sklaven von den Schiffen direkt aus Afrika abgeladen und weiterverfrachtet wurden. Auch dieser Weg, der nochmal schöner ist, als der vom Vortag, lässt den Gedanken an die Pirateninsel nicht los. Hinter jedem Felsen vermutet man einen Piraten, der mit einer Flasche Rum in der einen und einem Fleischspieß in der anderen Hand am Feuer sitzt und auf das nächste mit Gold beladene Schiff wartet, das von Paraty Richtung Europa startet. Unterwegs unterstreichen wieder Brüllaffen den super exotischen, etwas schaurigen Flair des Urwalds.

Als wir am Lopez Mendes eintreffen, sind wir überwältigt von der schönen Aussicht auf das Meer, das sehr rauh ist mit riesigen Brandungswellen. Der Sand ist feinkörniger als ich es je erlebt habe und knirscht unter den Füßen wie Schnee. Peter versucht ins Wasser zu gehen, schafft es aber nur bis zur Hüfte, weil die Brandung so heftig ist. Ich bleibe am Strand sitzen und genieße den Blick auf die Wellen. Leider bleibt uns nicht viel Zeit den Strand zu bewundern, da es schon ziemlich spät ist. Beim vorigen Strand hatten wir die Uhrzeiten fürs Wassertaxi gesehen und wollen pünktlich da sein um das letzte Boot nach Abraão zu erwischen bevor es dunkel wird. Dort angekommen müssen wir mit ansehen, wie das letzte Wassertaxi gerade hinter der Landzunge verschwindet und das angeschriebene Boot um 18Uhr gar nicht kommen wird!
Zu Fuß nach Hause wären es 2 gruselige Stunden durch den stockdunklen Urwald voller Giftschlangen, Brüllaffen und Piraten, aber wir bekommen den Tipp, bei der Eingeborenen-Strandbar am nächsten Strand nach einem Boot zu fragen. Dahin sind es nur 45 Minuten durch den halbdunklen Urwald voller Giftschlangen, Brüllaffen und Piraten. Also stapfen wir in der Dämmerung zurück zum Palmas-Strand, wo wir nach einigem Feilschen dann doch noch per Boot von drei halbstarken Insulanern zurück nach Abraão gebracht werden und nicht noch zwei Stunden mit Taschenlampe durch den dunklen Urwald irren müssen. Voller Giftschlangen, Brüllaffen und Piraten.

Was erlebt und lernt man sonst noch auf einer Insel wie Ilha Grande? Die Einwohner sind tiefenentspannt – auch wenn abends mal der Strom für die restliche Nacht ausfällt. Sie sind darauf vorbereitet, werfen den Generator an oder stellen überall Kerzen auf und machen weiter wie vorher. Das empfinde ich sogar schon als romantisch – abends bei Kerzenlicht dasitzen und den Generatoren der Nachbarschaft beim Rattern lauschen. Was lernt man noch? Slalomlaufen. In der ganzen Siedlung laufen Hunde frei herum, die überall auf die Straße sch….. Also bei Stromausfall immer eine Taschenlampe dabei haben, damit die Schuhe sauber bleiben 🙂
Insgesamt ist Ilha Grande ein Inbegriff vom paradiesischen Leben! In der Hängematte liegen und auf Palmen schauen, das Meer rauschen hören – fehlt nur noch ein Caipi (davon haben wir uns natürlich auch ein paar gegönnt). Ein kleiner Dämpfer war dabei allerdings der Regen. Obwohl auch der Regen in diesem Paradies seinen Charme hat, hätte uns ein schöner Sonne-Strand-und-braunwerde-Tag natürlich auch sehr gefallen.


Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /kunden/205968_55252/osappl_forward/wordpress/wp-includes/class-wp-comment-query.php on line 405

3 thoughts on “There’s something in the jungle – Ilha Grande

  1. oh, wie ich euch die reise gönne!
    wie gut, hier geschützt vor brüllaffen, giftschlangen und piraten deinen bericht zu lesen, sara.
    liebe grüße, do

  2. Musste mehrmals bei diesem Bericht schmunzeln. Es macht Spaß zu lesen und die Fotos sind super toll. :-*

  3. Ich gebe zu, ich beneide euch um solche Erlebnisse wie oben beschrieben. Aaaaaa…ber. wir gönnen euch diese Reise von Herzen. Finde ich klasse das wir auf diese Weise teilhaben können.
    Diese Erinnerungen kann euch niemand mehr wegnehmen! Schöne Schreibe habt ihr und schöne Ansichten. Danke. LGute und Egon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *