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Unsere gebuchte Tour nach Purmamarca und zu den Salinas Grandes führt im gewohnten Touri-Van frühmorgens durch eine unwirkliche Landschaft, die nach jeder zehnten Kurve wechselt. Mal treffen wir auf bewaldete Flächen, dann nur noch auf karge Buschlandschaft, bis die Vegetation fast komplett verschwindet. Die kargen Ebenen sind durchzogen von riesigen Kakteen, die bis zu 400 Jahre alt sind und zur Kolonialzeit von der andinen Bevölkerung als menschliche Attrappe (mit Poncho und Sombrero verkleidet) verwendet wurden um die kolonialen Eroberer auf falsche Fährten zu locken.

Dann geht die Straße durch eine unfassbar schöne Canyon-Landschaft, die der Rio Grande über Jahrtausende hinweg geschaffen hat. Bis zu 4000 Meter hoch türmen sich die Berge aus Sedimentgestein auf beiden Seiten des Flusses. Während des Entstehungsprozesses ist das im Sediment befindliche Eisen verschieden weit oxidiert und zeigt dadurch heute eine kunterbunte Steinlandschaft. Bis zu sieben verschiedene Farben sind voneinander unterscheidbar von weiß bis zu tiefdunklem rot – besonders gut lässt sich der Farbverlauf am Cerro de los Siete Colores erkennen, den wir am schönsten Fotopunkt für 10 Minuten bestaunen dürfen. Dort erwarten uns auch schon die andinen Ureinwohner mit kunterbunten Webwaren, Kleidung und einem obligatorischen Lama.

Von dort aus verlässt der Van die Talebene und wir fahren ins Gebirge hinein, auf 4170 Höhenmeter – meine erste Erfahrung mit der Höhenluft. Zuvor werden wir vom Tourguide auf das richtige Verhalten in der Höhe vorbereitet: langsam laufen, nicht rennen und Coca-Blätter kauen um den Kreislauf anzuregen. Die Coca-Blätter werden nicht wirklich gekaut, sondern nur zwischen Zähne und Backentasche geschoben. Der Geschmack erinnert an grünen Tee – und das Zahnfleisch wird taub. Direkt nach dem Aussteigen aus dem Bus merke ich schon die Wirkung der geringeren Luftdichte – nach ein paar Schritten ist man schon außer Atem und nach ein paar Minuten kommen leichte Kopfschmerzen dazu. Peter bekommt auch Kopsschmerzen. Ihm wird es noch schwindelig und schlecht. Aber der Ausblick ist diese Strapaze mehr als wert: zerklüftete und bunte Felsen so weit das Auge reicht!

 

 

Auch diese Aussicht wird nur kurz genossen, denn jetzt kommt der letzte Teilabschnitt der Fahrt zu den Salinas Grandes del Noroeste, einem 820 Quadratkilometer großen Salzsee, der sich durch tektonische Plattenverschiebungen vor ca. 5 Mio. Jahren gebildet hat. Durch die Verschiebung wurden einige Flüsse von ihrem Zugang zum Meer abgeschnitten und versickerten in der Ebene. Das zurückgebliebene Salz wird heute in großen Mengen abgebaut.
An einem Punkt für Ausflügler (zu erkennen an den Souvenirständen und dem Toilettenhäuschen) wird jede Reisegruppe ausgespuckt, die dort in gleißendem Sonnenlicht Bilder machen kann. Natürlich wirkt auch hier die Höhenluft stark auf uns ein – also: immer schön langsam laufen! Der Boden ist steinhart und vereinzelt kann man ein paar vom Laster gefallene Salzkristalle liegen sehen (und einsammeln). Das ganze Ausmaß der Ebene ist mit dem Auge kaum auszumachen – irgendwann beginnen die Berge – unendliche Weiten! Alle paar Meter stehen Touristen, die lustige Fotos machen (uns mit eingeschlossen). Und bis auf die Geräusche von gelegentlich vorbeifahrenden LKW herrscht Totenstille.

Für den Rückweg der Tour ist ein zweistündiger Aufenthalt im kleinen Dorf Purmamarca geplant. Wir haben uns schon vorher entschieden, über Nacht dort zu bleiben und verlassen die Reisegruppe direkt bei Ankunft im Dorf um uns ein Hostel zu suchen. Hier werden wir in meinen Geburtstag reinfeiern. Das Dorf selbst könnte touristischer nicht sein. Es ist komplett auf den vorbeifahrenden Tourismus ausgelegt – der gesamte Marktplatz ist bevölkert mit kritisch schauenden Artesanos, die ihre Kunst und einen riesigen Berg aus Kleidung und Tüchern an die Menschen verkaufen wollen, die tagsüber alle paar Stunden aus irgendeinem Bus ausgespuckt werden – ein herrlicher Anblick.
Wir nutzen den restlichen Nachmittag um die umliegende Felslandschaft auf eigene Faust zu erkunden und finden erstaunlich viel Ruhe zwischen den Canyons. Abends gehen wir ins Restaurant und bestellen uns eine regionale Spezialität – Lama-Schnitzel. Begleitet werden wir währenddessen von einem Alleinunterhalter mit Gitarre, der zwischen den hochemotionalen Liedern mit den Restaurantbesuchern schäkert – das wahre Touri-Leben. Am nächsten Tag reisen wir ab nach Jujuy (der nächstgrößeren Stadt) um dann weiter nach Chile zu reisen.

 


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3 thoughts on “Salz, Felsen und Artesanos – Salinas Grandes und Purmamarca

  1. Liebe Sara, lieber Peter
    mit grossem Interesse und ein bisschen Trauer , das mir in jungen Jahren dieser Mut gefehlt hat, verfolge ich euren Blog. ich wünsche euch von Herzen noch viele gute Erlebnisse, DAS werdet ihr alles nicht mehr vergessen! Die Fotos in diesem Artikel sind wieder mal super. LGute

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